Als Anna die Augen öffnete, sah sie den alten Mann über sich gebeugt. Er war über siebzig Jahre alt. Schlichte Jacke, alte Mütze, ruhiger, aber aufmerksamer Blick. Vorsichtig hielt er ihr Handgelenk und schien ihre Hand zu betrachten.
— Was tun Sie? — flüsterte Anna heiser, während sie versuchte, die Hand zurückzuziehen. — Fassen Sie das nicht an. Dieses Armband ist ein Geschenk meines Mannes.
Der alte Mann stritt nicht. Er sagte nur leise:
— Ihnen ist wegen ihm schlecht. Schauen Sie genau hin.
Anna blickte auf das Armband — massiv, aus Gold, das sie ständig trug — und in diesem Moment standen ihr die Haare zu Berge.
Das Gold war genau dort schwarz geworden, wo es die Haut berührte. Nicht vollständig, sondern fleckig, als hätte jemand mit einem dunklen Schatten darüber gestrichen.
— Wer sind Sie? — flüsterte Anna und spürte, wie sich alles in ihr zusammenzog.
— Ich bin ein ehemaliger Juwelier — antwortete der alte Mann ruhig. — Vierzig Jahre habe ich mit Gold gearbeitet. Als ich sah, dass es Ihnen schlecht ging, schaute ich zufällig auf Ihre Hand. Ein normaler Mensch würde es nicht bemerken.
— Was bedeutet das? — Ihre Stimme zitterte.
— Das sind Spuren von Thallium — sagte er leise. — Ein sehr heimtückisches Gift. Mit bloßem Auge nicht sichtbar. Es wird in einer hauchdünnen Schicht aufgetragen, dringt durch die Haut und vergiftet den Menschen langsam. Aber Gold reagiert. Es wird dunkel.

— Sie meinen…
Der alte Mann nickte.